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Das BMEL veranstaltete am 7. und 8. November eine Vortragsreihe zum Thema „Friedhöfe im Wandel – Mut zu neuen Perspektiven“. Rund 120 Experten – darunter zahlreiche Friedhofsgärtner – kamen in Berlin zum intensiven Austausch über aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen im Friedhofswesen zusammen. Der Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF) im Zentralverband Gartenbau e.V. (ZVG) beteiligte sich mit zwei Vorträgen zu den Themen „NaturRuh“ sowie zur Positionierung des Friedhofs als Raum für Erinnerungen.

Friedhöfe sind wichtige multifunktionale Orte mit hohem Freizeit- und Erholungswert sowie einer immensen ökologischen Funktion vor allen in städtischen Ballungsgebieten – darüber waren sich alle Teilnehmer des BMEL-Symposiums einig. So stellte die Staudengärtnerin und biologische Gutachterin Dr. Gisela Bertram heraus, dass die Dichte an Wildbienen und Schmetterlingen auf Friedhöfen besonders hoch ist. Reinhard Benhöfer, Umweltreferent des Landeskirchenamtes Hannover ging auf die Korrelation zwischen Biodiversität und Wirtschaftlichkeit auf öffentlichen Friedhofsflächen ein: Je höher die Biodiversität, die z.B. durch Projekte wie Wildblumenwiesen aktiv gefördert wird, desto stabiler sind die wirtschaftlichen Zahlen. Dass Friedhöfe mit ihrer oft üppigen Vegetation Städte mit Frischluft versorgen, Schadstoffe abtransportieren und besonders an warmen Sommertagen Abkühlung bringen, stellte Dr.-Ing. René Burghardt aus Kassel heraus. Der BdF reihte sich mit einer Darstellung des neuen friedhofsgärtnerischen Bestattungs-Konzeptes „NaturRuh“ erfolgreich ein. BdF-Vorsitzende Birgit Ehlers-Ascherfeld erläuterte den Teilnehmern, wie die mit Nistkästen, Igelhäusern und Futterstellen ausgestatteten Staudenflächen würdevolle Bestattungen ermöglichen und gleichzeitig die biologische Vielfalt fördern. Zum Thema kommunale Friedhöfe äußerte sich Götz Stehr als Vertreter der Deutschen Gartenamtsleiterkonferenz e.V. (GALK): Es sollte Anspruch jeder Kommune bei der Erfüllung der Daseinsvorsorge sein, den Bürgern bezahlbare Preise für Bestattungen im qualitativen Umfeld anbieten zu können.

Anja Qayyum-Kocks und Manfred Freuken – beide zuständig für den Bereich Marketing bei den Friedhofsgärtnern – referierten über Aktionen auf dem Duisburger Friedhof Trompet. Die beiden Friedhofsgärtner führen dort regelmäßig Kinderaktionen durch und legen großen Wert auf individuelle und kreative Grabgestaltungen. Die friedhofsgärtnerische Werbekampagne „Raum für Erinnerung“ wird dort ebenso erfolgreich umgesetzt wie der seit Jahren existierende Memoriam-Garten.

In einer finalen Podiumsdiskussion sprachen die Beteiligten auch die Spannungsfelder an: Der steigende Gebührendruck, ein sinnvoller Umgang mit Überhang- bzw. Freiflächen auf Friedhöfe, der zunehmende Fachkräftemangel und die noch oft negative Wahrnehmung der Leistungen der Friedhöfe in der Öffentlichkeit waren dabei zentrale Punkte. Fazit: Durch eine nachhaltige Kommunikation des Mehrwertes von Friedhöfen an die Öffentlichkeit, durch die Suche nach Verbündeten und durch dauerhafte Lösungen bei den Gebührenfragen kann der Wandel auf den Friedhöfen Deutschlands positiv mitgestaltet werden. Dies sei eine langfristige Aufgabe aller Akteure und Gewerke sowie der Politik. Ministerialrat Dr. Ingo Braune vom BMEL bedankte sich am Ende bei allen Teilnehmern für die regen Diskussionen und hofft, dass durch die Tagung ein Stein ins Wasser geworfen wurde, der nachhaltig Wellen schlägt.